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Magazin für Hausverwalter, Vermieter und Eigentümer

26.07.2016

Wenn Wildschweine im Garten auftauchen oder Papageien die Ruhe stören

Wildtieren stören Mieter

Nicht nur auf dem Land haben es Vermieter und Mieter mit wild lebenden Tieren zu tun. Doch wie gehen Vermieter damit um, wenn Wildschweine im Garten auftauchen oder Papageien die Ruhe der Mieter zu stören meinen. In Berlin entschied das Landgericht, dass Vermieter ihre Mieter vor Wildschweinen schützen müssen und in einem grausigen Fall aus Düsseldorf geht das Ordnungsamt gegen eine Hausverwaltung vor, die schier unmenschlich zu handeln schien.

Wildtiere gehören auch und gerade in den Randbezirken von Städten und Gemeinden zum alltäglichen Bild. Zuweilen können gerade Wildschweine nicht nur Gärten umgraben, sondern auch gefährlich werden und so Mieter gesundheitlich schädigen. Doch wer trägt die möglichen Kosten um die Vierbeiner fern zu halten? In einem unlängst verhandelten Fall in Berlin schaffte das Landgericht Klarheit.

Angst vor Wildschweinen in einer Berliner Erdgeschoßwohnung

Das Thema ist schon lange bekannt, gerade für Mieter in den Außenbezirken Berlins. Dort meinen Wildschweine immer wieder ihre Nahrungssuche auf eine Wohnanlage auszuweiten. Und noch schlimmer: in einem besonderen Fall wurde eine Mieterin von einer Bache sogar angegriffen, als sie den Müll entsorgen wollte.

Daraufhin mahnten die Mieter den Vermieter an einen Zaun zum Schutz aufzustellen und erklärten eine Mietminderung, bis der Zaun errichtet wäre.

Der Vermieter weigerte sich die Mietminderung hinzunehmen oder gar für den Schutz der Mieter zu sorgen und zog vor Gericht. Doch das Landesgericht verurteilte den Vermieter unter Aktenzeichen 67 S 65/14 entsprechende Schutzmaßnahmen vorzunehmen, ließ ihm aber die Wahl der geeigneten Form der Sicherung.

Zur Begründung erklärten die Richter, dass die "körperliche Unversehrtheit der Mieter überwiege" und die Kosten für die Errichtung von Schutzmaßnahmen dem Vermieter zuzumuten seien.

Der Vermieter verteidigte sich im laufenden Prozess damit, dass die Mieter hätten wissen müssen, dass in Stadtrandbezirken logischerweise mit Wildschweinen zu rechnen sei. Da aber ein hinzugezogener Sachverständiger belegte, dass sich die Besuche der haarigen und wilden Vierbeiner seit Einzug verschlimmert haben, gab das Gericht der klagenden Mieterin Recht.

Im Kehrschluss hätte der Vermieter bei Vertragsschluss erklären müssen, dass es zu Wildschweinbesuchen kommen kann, dann wäre die Klage womöglich abgewiesen worden.

Auch schlug sich das Gericht in punkto Mietminderung auf die Seite der Mieter. Da Wildschweine verstärkt im Herbst die Wohnanlagen von Menschen aufgrund fehlender Nahrung aufsuchen, ist eine Mietminderung bis Oktober mit 10 Prozent und ab Oktober mit 20 Prozent legitim, längstens jedoch bis der Vermieter für einen geeigneten Schutz gesorgt hat.

Wie Vermieter bei Wildtieren nicht agieren sollten

In einem Düsseldorfer Mietshaus nisteten sich Papageien in der Fassade ein und bauten ein Nest. Einige der Mieter beschwerten sich daraufhin bei der Hausverwaltung, ob des Lärmes, der von den gefiederten Zeitgenossen ausging.

Die Hausverwaltung wollte wohl eine schnelle, wenngleich unmenschliche Lösung und ließ das Nest, dass sich in einem Loch der Fassade befand, zumauern. Tierliebe Mieter konnten den Anblick der Elternvögel, die verzweifelt versuchten ihre Vogelkinder zu befreien, nicht mit ansehen und beschwerten sich beim Ordnungsamt.

Und auch wenn die kleinen Vögel kaum eine Überlebenschance hatten, so wird das zuständige Ordnungsamt der Anzeige gegen die Hausverwaltung nachgehen. Ein trauriges Beispiel dafür, wie man als Vermieter oder Hausverwaltung nicht mit wild lebenden Tieren umgehen sollte.

Und was ist das Resümee?

Wildtiere gehören nun mal zum Leben vieler Mieter, die teils in ländlichen Regionen oder am Rand der Städte wohnen. Vermieter sollten sich also nicht nur auf das Mietrecht berufen, sondern auch auf ein gutes Miteinander mit der Mietergemeinschaft, gerade wenn Gefahren drohen, die den Mieter treffen können. Und da die Urteile auch bei Gericht von Menschen gesprochen werden, sollte man als Vermieter auch den Blickwinkel des Gegenübers bedenken und notfalls vor Vertragsschluss mögliche Beeinträchtigungen durch wild lebende Tiere in Schriftform ins Kalkül ziehen.

Und wenn es um das Wohl von Tieren im Allgemeinen geht, kennen viele Mieter kein Pardon. Und hier sollte man stets vorher nachdenken, bevor man sich durch ein unmenschliches Verhalten die Mietergemeinschaft zum Feind macht.

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