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Magazin für Hausverwalter, Vermieter und Eigentümer

24.02.2017

Rückzug des Wohneigentums und warum Deutsche gerne Mieter sind

Jeder weiß es: die Deutschen sind europaweit die Mieter schlechthin und die Wohneigentumsquote ist nirgends so gering wie zwischen Flensburg und Garmisch-Patenkirchen. Doch was sind die Gründe für den Rückzug des Wohneigentums? Von hohen Grunderwerbssteuern über steigenden Baukosten bis zu angespannten Wohnungsmärkten mit real überteuerten Preisen, die Liste ist lang.

Über 70 Prozent aller Europäer wohnen im selbst genutzten Eigenheim. Und auch  Wohneigentumsquote sinkt | Foto: (c) Wolfilser/ fotolia.comwenn die niedrigen Zinsen zu einem Bauboom bei privaten Bauherren führte, so nutzen doch nur 45 Prozent aller Bundesbürger ihre eigene Immobilie zum Wohnen und das beschert Deutschland den letzten Platz im Ranking. Nun fragt man sich warum, denn letztlich sind die Zinsen immer noch niedrig und dem deutschen Haushalt steht weitaus mehr Einkommen zur Verfügung als zum Beispiel den Bürgern in Spanien oder Polen.

Ein Blick in die Geschichte Deutschen Wohneigentums

Es gibt eine historische Ursache für die geringe Wohnungseigentumsquote. Der zweite Weltkrieg zerstörte einen Großteil des Wohnraumes, gerade in den Städten. Die junge Bundesrepublik förderte schnell den Bau von Mietwohnungskomplexen, die Menschen benötigten massenhaft Wohnraum und so wurde der Deutsche an sich zum klassischen Mieter.

In den Jahren nach 1965 wurden die Städte mit geförderten Wohnraum zubetoniert, so wie zum Beispiel das Märkische Viertel in Berlin, in dem pro Quadratkilometer über 12.000 Mieter leben.

Dies förderte auch die doch eher positive Rechtsprechung für die Mieterschaft, denn nirgendwo in Europa ist die Gesetzgebung so mieterfreundlich wie in Deutschland und der Kündigungsschutz so umfassend. Bestes Beispiel ist die Mietpreisbremse.

Die Landflucht und der Reiz der Städte

In den Großstädten gibt es mehr Arbeit, als in stark ländlichen Gebieten. Doch in den Ballungszentren sind die Wohnungsmärkte angespannt und das seit Jahren. Wer dort selbst bauen oder kaufen will braucht viel Geld und dies führt zu einem nachhaltigeren Anmieten als zum Bau des selbst genutzten Wohneigentums.

Hinzu kommt, dass es in Städten wie Berlin, München, Hamburg oder Frankfurt a.M. und Stuttgart kaum freie Baugrundstücke gibt und selbst in den so genannten mittleren Städten ziehen die Preise unaufhörlich an. Die Wohneigentumsquote in den Metropolen liegt bei circa 27 Prozent.

Wenn der Arbeitsmarkt die Wohneigentumsquote beeinflusst

Die heute 30 bis 40-jährigen Deutschen werden immer weniger zu privaten Bauherren und in diesem Alterssegment ist die Wohneigentumsquote seit dem Jahr 2002 um satte 10 Prozent gesunken. Das hat vor allem monetäre Gründe. Die Ausbildungs- und Studienzeiten werden immer länger und die fehlenden Perspektiven und unsichere Arbeitsverhältnisse führen zu Ängsten, finanzieller Art. Und demzufolge bleibt man eben Mieter.

Hinzu kommt, dass gerade bei Deutschen zwischen 25 und 50 Jahren Flexibilität im Job gefragt und ein berufsbedingter Umzug eher zum Anmieten als zum Bauen führt. Die steigenden Umzugszahlen innerhalb Deutschlands bestätigen diese Aussage.

Mieten ist cool - das Eigenheim spießig

Nirgends in Europa ist "ne coole Mietwohnung" so trendy, wie in Deutschland, es passt zur Generation Y, die regionale Flexibilität schätzt. In Großbritannien haben Mietwohnungen einen schlechten Ruf und in Spanien oder Portugal ist die Vorstellung in einer Mietwohnung zu leben schon fast verpönt, von den Großstädten einmal abgesehen.

Der Deutsche an sich will ungebunden sein, frei auch in puncto Lebensplanung. Da passt es nur für wenige einen Bausparvertrag zu schließen und sein Leben strukturell in allen Belangen zu planen. Immobilienexperten gehen davon aus, dass gerade die junge Generation, die Anforderungen an flexible Arbeitskräfte und die immer größer werdenden Metropolen die Quoten des Wohneigentums in den nächsten 10 Jahren weiter nach unten ziehen.

Die Politik und das Immobilieneigentum

Ja, Immobilieneigentümern wird nichts geschenkt, im Gegenteil. Die Grunderwerbssteuern steigen immer wieder, die Politik schafft immer weniger Anreize für Bauherren durch steigende Baukosten und auch wenn einige Engagements, wie das neue Baukindergeld, private Bauherren zum Bau der selbst genutzten Immobilie überzeugen wollen, bleibt die Immobilie eine dauerhafte Verpflichtung. Zur Grunderwerbssteuer kommen die Maklercourtage und der Notar und schon sind tausende Euro weg. Im Vergleich dazu dürfen Engländer alle 10 Jahre umziehen, ohne diesen Kostenapparat.

Und auch bei der Förderung von Wohneigentum verfolgt der Gesetzgeber keine Pro-Eigentum-Politik. Die Eigenheimzulage ist seit 2007 kein Thema mehr und billige Kredite und Sanierungsförderungen sowie das Wohn-Riestern sind kaum ein Antriebsmotor für den kommenden Immobilienbesitzer. Der Normalverdiener kann sich unter diesen Bedingungen kaum ein Eigenheim leisten und will es zunehmend auch nicht.

Es bleibt abzuwarten, ob die fehlender Anreize am Kapitalmarkt und niedrige Bauzinsen die aktuelle Wohneigentumsquote stabil halten, denn die Liste ist, wie beschrieben lang und der Deutsche wird zunehmend zum flexiblen Mieter mit vielen Rechten.

Foto: (c) Wolfilser/ fotolia.com

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