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Rekord bei Steuereinnahmen durch Immobilienkäufe


Ob Anlageinstitute, Banken, Immobilienprojektierer oder auch der Fiskus, viele profitieren am Immobilienboom. In einigen Bundesländern wurde die Grunderwerbsteuer fast verdoppelt und die An- und Verkäufe von Immobilien führen zu einem Rekord an Steuereinnahmen. Doch ist die Gier des Staates nicht ein Preistreiber in Zeiten, in denen Neubauten dringend benötigt werden?

Der Staat verdient immer irgendwie mit. Ob Mehrwertsteuer, oder Tabaksteuer, Steuern auf die eigenen Einnahmen oder die Grunderwerbsteuer. Und gerade Letztgenannte beschert den Bundesländern zurzeit ein Einnahmehoch.

Grunderwerbsteuer höchste Einnahmequelle

Grunderwerbsteuer | Foto: (c) lilo/fotolia.com

Die Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, kurz IW, verdeutlichten in einer Prognose für die Zeitung Welt am Sonntag eine Einnahme von 13,54 Milliarden Euro in 2017 nur aus der Grunderwerbsteuer, in Anlehnung an die Einnahmeentwicklung des ersten Halbjahres. Diese Steigerung von 9.1 Prozent im Vergleich zu 2016 verdeutlicht den Rekord bei Steuereinnahmen durch Immobilienkäufe.

Bedenkt man, dass in 2016 gut 22,34 Milliarden Euro an die Bundesländer flossen und mit 12 Milliarden Euro aus der Grunderwerbsteuer gut 46 Prozent des Gesamtvolumens aus Hausverkäufen stammt, zeigt sich das Ausmaß, wie der Fiskus am Immobilienboom mitverdient. Das Käufer von Immobilien 2017 durchschnittlich neun Prozent mehr an die Bundesländer zahlen müssen, wobei die anderen Steuerarten nur um 3,7 Prozent im Durchschnitt steigen, sei am Rande erwähnt.

Wirkt Rekord von Steuereinnahmen wie ein Preistreiber?

Die meisten Bundesländer haben die Grunderwerbsteuer in den letzten Jahren erhöht, in einigen Landeshauptstädten wurde diese sogar verdoppelt. Die Immobilienwirtschaft betrachtet diese Entwicklung mit Sorge. Denn bei einem Grunderwerbsteuersatz von 6,5 Prozent auf die Kaufsumme, wie es in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland, Brandenburg und Thüringen der Fall ist, kommt einiges an finanziellen Mehrbelastungen beim Immobilienerwerb hinzu. Einzig in Bayern und Sachsen verlangt der Fiskus mit 3,5 Prozent relativ wenig.

In Zeiten von politisch gewollten und dringend benötigten Neubauprojekten treibt so die Grunderwerbsteuer die Preise für Immobilien in der Höhe. Nun gut, auch wenn jede Steuer ja dem Gemeinwohl zukommt. Doch zeigte eine Onlineumfrage des ZIA, dem Zentralen Immobilien Ausschuss, das 74 Prozent aller Befragten die Grunderwerbsteuer als zu hoch ansehen und ein bundeseinheitliches Niveau für sinnvoll hielten.

Das Problem: Die Gesetze werden in der Hauptstadt gemacht, die Bundesländer dürfen den Steuersatz jedoch seit 2006 autonom für sich festlegen, also reduzieren und erhöhen. Und obwohl viele Wahlversprechen der anschließenden Landesregierungen die Steuer nicht anziehen wollten, freuen sich Gemeinden und Kommunen heute über den Geldsegen. Hinzu kommt, dass die Bundesländer Bayern und Sachsen den niedrigsten Grunderwerbsteuersatz haben, jedoch im Länderfinanzausgleich dennoch viel abgeben müssen, da die Bemessungsgrundlage zum Finanzausgleich nach dem Durchschnittssatz kalkuliert wird. Das schreit im Bundesrat fast förmlich nach einer Vereinheitlichung.

Die Grunderwerbsteuer im internationalen Vergleich

Nach Luxemburg und Italien mit Spitzensteuersätzen von bis zu neun Prozent liegt Deutschland mit maximal 6,5 Prozent im europäischen Vergleich weit oben. In Ländern wie Großbritannien, Irland oder den USA verdient der Staat am Immobilienkauf historisch kaum und es geht dort um den Immobilienwert an sich, nicht die Region. Länder wie Finnland oder unser Nachbar Frankreich mit 5,1 Prozent Grunderwerbsteuer haben einheitliche Steuersätze und verdienen dennoch gut mit, wenn ein Haus den Besitzer wechselt.

Im Resümee ist und bleibt die Steuereinnahme aus der Grunderwerbsteuer der Rekordhalter bei den Bundesländern. Wer also nur ein Grundstück kauft und getrennt davon die Immobilie, oder das Haus selbst, kommt besser weg. Aber in Zeiten des noch anhaltenden Immobilienbooms scheint gesetzliche Reduzierung kaum in Sicht. Am Ende bleibt die Frage, ob man den Kauf von Grundstücken, die für notwendige Neubauten erworben werden müssen, nicht anders besteuern könnte, um einen Anreiz für Bauträger und Projektentwickler zu schaffen. Doch diese Vorstellung wird kaum im bevorstehenden Wahlkampf eine Rolle spielen. Wie sagte einmal ein längst verstorbener schwedischer Regierungschef: "Der deutsche Staat ist zu gierig". Das mag sein.

Foto: (c) lilo/fotolia.com

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