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Magazin für Hausverwalter, Vermieter und Eigentümer

15.06.2017

Investoren dämmen Bauboom in Deutschland

Lange Schlangen bei Wohnungsbesichtigungen, immer noch überfüllte Übergangslager für Flüchtlinge und diverse unbebaute Großflächen in den Metropolen. Und die Zahlen des statistischen Bundesamtes für in 2016 fertig gestellte Wohnungen sind ernüchternd. War und ist es nicht politisch gewollt mit Neubauprojekten dem Wohnungsmangel Herr zu werden? Die Investoren dämmen den Bauboom in Deutschland, so die Kritiker. Wie kann das sein?

Wohnungsmangel Bauboom | Foto:(c) animaflora/ fotolia.com

Ob in den Großstädten oder den prosperierenden Mittelstädten Deutschlands fehlt es an Wohnungen und die geplanten Neubauprojekte kommen nicht in Gang, das belegen die aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamtes. Und auch das Bundesamt für Bau-, Stadt- und Raumforschung, kurz BBSR, schlägt mit seinen ermittelten Daten in dieselbe Kerbe.

Analyse der Baufertigstellungszahlen in Großstädten ernüchternd

Unlängst erklärte Bundesbauministerin Barbara Hendricks relativ verhalten, dass man auf einem guten Wege sei beim Wohnungsbau, es aber noch weitergehen müsse. Man kennt also die Zahlen des statistischen Bundesamtes, demnach die fast 278.000 in 2016 fertig gestellten Neubauten kein Grund für Jubelschreie wären, wenngleich ein Anfang im wohnungsbaupolitischen Sinne. Zwar errechnet sich daraus eine Neubausteigerung von über 12 Prozent, aber das politisch gewollte und notwendige Ziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr liegt noch in weiter Ferne.

Diese fehlenden 120.000 Wohnungen, so Marktbeobachter, können kaum in den nächsten Jahren durch begonnene Bauprojekte kompensiert werden und das Problem des Wohnungsmangels, gerade in den Großstädten, wird verschleppt und kaum geringer. Vom eigentlichen Neubaubedarf sein man, so der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, BFW, meilenweit entfernt.

Die von Bauministerium, diversen Forschungsinstituten und dem Mieterbund geforderten 400.000 Wohnungen sind nicht aus der Luft gegriffen, aber gerade in den Großstädten scheinen die Bagger nicht so zu laufen, wie geplant. Das BBSR gab Zahlen bekannt, nach denen die notwendigen Wohnungen nicht dort entstehen, wo sie am dringendsten benötigt werden. In den Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern wurden zu wenige Neubauprojekte real umgesetzt, mithin nur fast 70.000 Einheiten. Das ist ergo weit entfernt von den notwendigen 130.000 Wohnungen, die in Deutschlands zwanzig größten Städten entstehen müssten, so das Institut der deutschen Wirtschaft, IW.

Die Zahl der real umgesetzten Baugenehmigungen nimmt ab

Ja, die Angabe von 375.000 Baugenehmigungen in Deutschland klingt auf den ersten Blick erwartungsvoll. Und doch lohnt ein Blick in die einzelnen Nutzungsbereiche der Bauprojekte. Demnach erhöhte sich die Anzahl real gebauter Wohnheime um 59,3 Prozent, die Flüchtlingsheime inkludiert. Und auch die Anzahl fertiggestellter Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern legte mit 9,6 Prozent zu. Und das die Zuwächse an fertiggestellten Einfamilienhäusern um 2,5 Prozent zunahm klingt auch erst einmal positiv.

Doch genauer betrachtet stehen die meisten Projekte nicht der Allgemeinheit zur Verfügung und schon gar nicht dem normalen Mietermarkt. Dies belegen auch Zahlen aus Berlin. Zwar wurden 22.000 Wohnungen von den Behörden zum Bau genehmigt, aber nicht einmal die Hälfte wurde real gebaut. In der Hauptstadt, die unter dem Wohnungsmangel ächzt und stöhnt, keine gute Nachricht. Doch wie kommt das zusammen? Ausreichend genehmigte Neubauprojekte und real zu wenig umgesetzte Neubauten?

Investoren dämmen Bauboom und erweitern den Wohnungsmangel

Wer sich mit dem Immobilienmarkt auskennt und die Motivation eines Bauinvestors bedenkt, kommt schnell auf die Lösung, warum Haben und Soll bei Baugenehmigungen weit auseinanderklaffen. Die Grundstückpreise sind in den Metropolregionen und prosperierenden Gemeinden Deutschlands um zum Teil 15 Prozent pro Jahr gestiegen. Und dies hat seine Ursache in der erhöhten Nachfrage an Immobilien, beziehungsweise Wohnungen.

Wer also 2010 in ein Baugrundstück investierte, konnte und kann Renditen von weit mehr als 10 Prozent einfahren. Und eine Baugenehmigung von der Kommune zeitnah zu erhalten ist aufgrund der politischen Gemengelage kaum eine Herausforderung. Ergo wird ein Bauschild erreichtet und hinter den Kulissen lehnen sich einige kluge Investoren in ihre Chefsessel zurück und warten einige Zeit, um das Baugrundstück mit Baugenehmigung an den meist Bietenden ertragsreich weiter zu verkaufen.

Die Folgen sind schnell umrissen: Ausreichende Baugenehmigungen und zu wenig real umgesetzte Neubauprojekte. Dieses Ausbremsen des Wohnungsmarktes wird, so Experten, die Politik fordern mehr ins Detail zu gehen. Investoren müssen angehalten werden die Neubauprojekte auch umzusetzen. Doch wie? So lange der Wohnungsmarkt nicht sozialpolitisch durch strengere Auflagen begleitet wird, ist und bleibt Wohnen in Deutschland ein teures Gut und die Schlangen an Mietinteressenten vor den Häusern werden auch weiterhin das Bild der Städte Deutschlands prägen.

Foto:(c) animaflora/ fotolia.com

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