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Magazin für Hausverwalter, Vermieter und Eigentümer

22.08.2018

Immobilien ohne Eigentümer und ein Grundstück für null Euro

Es mag verrückt anmuten, aber in Deutschland gibt es viele herrenlose Immobilien. Besitzlose Objekte im Kataster finden sich oft in strukturschwachen Regionen und auch wenn Jedermann für null Euro zum Immobilienbesitzer werden kann, sind die Risiken sehr hoch. Doch warum gibt es so viele Immobilien ohne Eigentümer und wo finden sich diese Schnäppchenhäuser?

Immobilie ohne Eigentümer | Foto: (c) aixklusiv/pixabay.com


Schatz, heute schon was vor? Lass und zum Grundbuchamt gehen. Da gibt es ein Haus und wir zahlen keinen Euro dafür. Einfach ne Unterschrift und schon sind wir Immobilieneigentümer. Geht nicht, denkt man, aber ja, es geht. In Deutschland gibt es viele herrenlose Immobilien ohne Eigentümer - besonders in ländlichen Regionen. Diese "Landflucht" steht dem Boom in den Großstädten Deutschlands gegenüber. Dieses Ausdünnen ländlicher Regionen wird auch in einem aktuellen Artikel von Spiegel-Online beschrieben. Doch wie kommt es dazu, dass Eigentümer ihre Immobilien einfach aufgeben und wo liegen die Risiken für Menschen, die diese, teils sehr maroden, Immobilien übernehmen?

Warum gibt es Immobilien ohne Eigentümer

Eigentum verpflichtet, so steht es im Grundgesetz. Was aber, wenn die Immobilienbesitzer die Verpflichtungen für eine Immobilie nicht mehr tragen können? Auch hier gibt das Bürgerliche Gesetzbuch Auskunft: Gemäß Absatz 1 des § 928 kann der Eigentümer einer Immobilie den Verzicht des Eigentums gegenüber dem Grundbuchamt erklären und dieser Verzicht wird dann im Grundbuch eingetragen. Durch Absatz 2 desselben Paragrafen kann das betreffende Bundesland die Aneignung der aufgegebenen Immobilie erklären, nur durch Eintragung in das Grundbuch.

Doch allzu oft nehmen die Bundesländer diese Aneignung herrenloser Immobilien nicht vor und die Gründe liegen auf der Hand. Die oft in strukturschwachen Regionen befindlichen Objekte können nicht positiv verwertet, beziehungsweise gewinnbringend verkauft werden. Oft sind die Instandhaltungsrückstände so dermaßen groß, dass sich keine Abnehmer finden oder das Grundstück für einen Wohnungsneubau schlichtweg nicht in Frage kommt.

Die ursprünglichen Eigentümer, die sich auf diese Art von ihrer Immobilie trennen müssen gehen diesen Schritt meist und fast ausschließlich aus finanziellen Gründen. Oft sind es alte Häuser, die dringend eine Sanierung benötigen. Doch vielen Menschen fehlt das Geld, gerade in den östlichen Landesteilen der Republik und gerade wenn der Denkmalschutz mehr verlangt, als die Geldbörse hergibt.

Info: Allein im Bundesland Thüringen gibt es 350 Immobilien ohne Eigentümer, so die Angaben des Ministeriums für Infrastruktur. Bedenkt man, dass dies fast 390.000 Quadratmeter Bauland sind, wirkt dies in Zeiten fehlender Neubauten skurril.

Die Risiken der herrenlosen Immobilien

Für Privatinvestoren oder eine Familie, die sich "für Umme" ein Häuschen zulegen möchte sind diese Objekte nicht zu empfehlen. In vielen Fällen sind die Gebäude sehr alt und die Verpflichtungen des einzuhaltenden Denkmalschutzes monetär zu groß. Hinzu kommt die meist schlechte Lage, fernab jedweder Infrastruktur und möglichen Arbeitsplätzen, von Schulen und Kitas ganz zu schweigen.

Und noch ein Risiko verbirgt sich oft im Dunkel. Ist das Grundstück finanziell Belastet, durch Altkredite und Hypotheken, erwirbt der Käufer auch diese Belastungen, wenngleich erst nach der Eintragung. Demzufolge sollte man sich generell die Frage stellen, warum das Bundesland kein Interesse hatte sich eintragen zu lassen.

Aber auch für die Gemeinden dieser herrenlosen Immobilien gibt es Risiken. Solche Objekte sind schnell dem Verfall Preis gegeben und müssen dann finanziell aufwendig gesichert werden, letztlich steht der Staat und demzufolge der Steuerzahler in der Pflicht. Und auch beim Erben nach dem Tod des Besitzers können die eigentlichen Erben das Erbe ausschlagen, wohl wissend, dass es eine finanzielle Belastung wäre oder Schulden auf der Immobilie liegen. Dann erbt der Staat, automatisch, und kann nur hoffen, dass er die Immobilie irgendwie verwerten oder verkaufen kann. Doch gibt es diese Schnäppchenhäuser, die der Staat in Auktionen feilbietet. Lohnen sich diese Objekte und wo finden sich diese?

Schnäppchenhäuser und ihre Risiken

Am Beispiel Berlins und Brandenburgs mal ein Blick in die Angebote von Schnäppchenhäusern: Gibt man in die Suchmaske eines Immobilienportales den Preis für ein Haus bis 50.000 Euro ein finden sich in Berlin, wen wundert es, nur Pachtgrundstücke, gern auch als Schrebergarten bezeichnet. In Brandenburg immerhin 192 Häuser und einige davon sogar mit mehr als 1.000 Quadratmetern Grundstücksgröße und 200 Quadratmetern Wohnfläche.

Doch bei genauem Hinsehen sind diese Objekte nur etwas für kinderlose Paare oder Menschen, die in der Region verwurzelt sind oder als Erholungsgrundstück für gestresste Berliner herhalten können. Betrachtet man die Inserate genau lässt sich bereits an den Baujahren und an den Fotos erkennen, dass eine zeitige Sanierung notwendig ist. Einige Immobilien sind sogar reif für einen kompletten Abriss, der zwar dann eine Freifläche schafft, aber auch Kosten entstehen lässt. Abreißen sollte man auch nicht selbst, denn bei Abrissarbeiten und Entsorgung gibt es einiges zu beachten!

Begutachtung und fachmännische Einschätzung der örtlichen Gegebenheiten und etwaiger damit verbundener Sicherheitsrisiken

Sicherstellung von wertvollen, ebenso wie von schadstoffbelasteten Bauteilen im Rahmen einer professionellen Entkernung
Versiegelung von Leitungen und Entfernung von Großinventar

Und schaut man in Thüringen nach Immobilien bis 50.000 Euro springt die Anzahl sogar auf 315, vom Einfamilienhaus in moderatem Zustand bis zu Mehrfamilienhäusern mit sechs Wohneinheiten und einer Gewerbeeinheit. Klar sind diese Immobilien nur etwas für einen Bauträger, Abriss nicht ausgeschlossen. Und unter 25.000 Euro in Thüringen? Na immerhin noch 119 Immobilien, die auf einen neuen Eigentümer warten.

Ob herrenlos und eine Immobilie ohne Eigentümer oder ein Schnäppchenhaus, es gibt sie, diese Immobilien für Pfennigfuchser. Aber Vorsicht: die Risiken sich finanziell zu übernehmen und am Ende die Katze im Sack zu kaufen, sind erheblich. Also prüfe, wer sich ewig bindet, denn Eigentum verpflichtet - in den meisten Fällen.

Foto: (c) aixklusiv/pixabay.com

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