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Magazin für Hausverwalter, Vermieter und Eigentümer

22.04.2018

Dürfen Mietinteressenten den Vermieter belügen?

Ehrlich wärt am Längsten, so sagt man umgangssprachlich. Doch zuweilen meinen Wohnungsinteressenten lügen zu müssen, bis sich die Balken biegen. In Zeiten des Wohnungsmangels eher die Regel, so Experten. Und doch dürfen Mietinteressenten den Vermieter belügen, zumindest in einigen Belangen. Doch es kann auch Konsequenzen für das spätere Mietverhältnis geben, wenn die Aussagen zum Einkommen oder der Arbeit bewusst falsch angegeben werden.

Mieter Vermieter | Foto: (c) mastersenaiper/pixabay.com

Die Schlangen vor den wenigen freien Mietwohnungen am Immobilienmarkt sind so lang wie nie. Unlängst erklärte ein Berliner Makler einem Mietinteressenten, der das der Berliner Abendschau erzählte, dass er sich keine große Hoffnung um die Wohnung machen sollte, bei fast 1.500 Bewerbern. Oha. Und das gerade deshalb oft schon bei den Befragungen der Interessierten gelogen wird, dürfte klar sein, will sich doch ein jeder ins beste Licht rücken. Doch ist das erlaubt und welche Konsequenzen können daraus erwachsen?

Dürfen Mietinteressenten den Vermieter belügen?

Ja und Nein, das kommt auf das Thema an. Grundsätzlich gilt, dass ein so genanntes"berechtigtes Interesse" des Vermieters nach den Antworten vorhanden sein muss. Doch wann gilt ein Interesse als berechtigt?

Zum einen ist es allemal erlaubt nach der Zahlungsfähigkeit des Mietzinses zu fragen. Hierzu zählen das monatliche Nettoeinkommen, wie auch Fragen zu Schulden. Nur so kann der Vermieter sicher sein im Falle eines Mietverhältnisses seine Miete regelmäßig zu erhalten. Diese, aus unserer Sicht elementare Frage, muss wahrheitsgemäß beantwortet werden.

Tipp: Die Frage nach dem monatlichen Nettoeinkommen sollte im Interessentenfragebogen aufgeführt werden. Der dem Vermieter gegenüber zu erbringende Nachweis in Form von drei Gehaltsabrechnungen oder einem Kontoauszug ist juristisch sattelfest. Bei Kontoauszügen dürfen aber alle unrelevanten Daten geschwärzt werden. Der Vermieter hat kein Anrecht auf das Wissen um das Vermögen oder ggf. Salden auf dem Konto des Mietinteressenten.

Des Weiteren darf nicht bei den Fragen zur beruflichen Tätigkeit des Interessenten, wie zum Arbeitgeber und dem eigentlichen Arbeitsverhältnis gelogen werden. Letztlich ist es ein berechtigtes Interesse des Vermieters zu wissen, ob das Arbeitsverhältnis auf Dauer, also unbefristet gilt, oder nicht.

Ebenso muss Klarheit bezüglich der finanziellen Historie herrschen. Ist es in den letzten fünf Jahren zu einem Insolvenzverfahren gekommen oder ist dieses anhängig ist ebenso als Frage berechtigt, wie aktuelle Einkommenspfändungen, mögliche Mietschulden oder Räumungsklagen. Diese Fragen müssen wahrheitsgemäß beantwortet werden und gehören in jeden Interessentenfragebogen. Ja selbst die klare Frage, wer für die Miete aufkommt, ist legitim und korrekt zu beantworten. Ist es der Mieter selbst, oder das Jobcenter? Hier ist Wahrheit gefordert.

Aber es ist doch nicht wirklich wichtig, wie viele Personen in der Wohnung am Ende wohnen, oder? Doch, das ist es und diese Frage ist ebenso ehrlich zu beantworten, wie die Frage nach dem Familienstand.

Tipp: Kopien von Dokumenten, wie zum Beispiel Gehaltsnachweise oder Vermieterbescheinigungen, sollten immer auch im Original vorgelegt werden. Findige Interessenten können mit Designsoftware umgehen und schnell werden Daten und Zahlen ausgetauscht und der Schwindel nimmt seinen Lauf.

Die Konsequenzen der Lüge bei der Wohnungsbewerbung

Hier kommt es darauf an, ob der Interessent bereits die Mietwohnung bewohnt, oder nicht. Ist er noch nicht drin, also noch vor der Wohnungsübergabe, kann der Vermieter den Mietvertrag wegen "arglistiger Täuschung" anfechten. Und das sollte man auch, sofern man es beweisen kann. Daraus resultierend kann der Mietvertrag als unwirksam erklärt werden und der potentielle Mieter kann sogar zum Schadenersatz verdonnert werden. Dies sollte man aber mit seinem Rechtsbeistand oder der Hausverwaltung besprechen.

Ist der Mieter bereits eingezogen wird es etwas schwerer. Ja, man kann die fristlose Kündigung aussprechen, wenn zum Beispiel die Selbstauskunft gefälscht wurde oder die Miete nicht regelmäßig eingeht.

Achtung: Der Vermieter sollte eine unzumutbare Situation nachweisen können, um den Mieter fristlos kündigen zu können. Umso wichtiger ist es im Vorfeld lieber dreimal genau hinzuschauen.

Der Mieter darf aber auch lügen, wenn ...

... es um Fragen geht, die ein Vermieter nicht stellen sollten, beziehungsweise, die für den Deal "Mietzins gegen Wohnung" nicht relevant sind oder gegen andere Gesetze verstoßen. Dazu gehören alle Fragen zum Privatleben. Sexuelle Orientierung und Wünsche, Hobbys oder gar die Religion des Mietinteressenten sollten als Fragen unterbleiben und wenn doch gefragt, darf auch gelogen werden.

Und auch wenn es gefühlt entscheidend sein kann, da es gegebenenfalls auch andere Mieter stören könnte: Die Frage nach der Nikotinsucht darf ebenfalls mit einer Lüge bedacht werden, denn ein Rauchverbot in Mietwohnungen gibt es nicht.

Bei der Tierhaltung ist es aber etwas anders. Hier ist die Frage nach einem Hund oder einer Katze allemal erlaubt und muss auch wahrheitsgemäß beantwortet werden. Naja, schwer nachzuweisen, ob der Dackel am Ende am Tag der Schlüsselübergabe neu gekauft wurde. Hier kann aber durch eine Klausel im Mietvertrag nachgeholfen werden, die die Haltung eines Tieres anzeigepflichtig macht. Aber die Frage nach Kleintieren, wie Vögeln oder Nagern ist jedenfalls nicht von "berechtigtem Interesse".

Und bloß keine Fragen zu eventuellen Vorstrafen stellen. In einem Fall aus Leipzig wurde diese Frage gestellt und als der Vermieter sich dann für einen anderen Mieter entschied kam der verprellte Mietinteressent mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz. Mehr ist an dieser Stelle nicht erwähnenswert. Die Frage "Haben Sie Vorstrafen, die sich ausschließlich auf ein ehemaliges Mietverhältnis beziehen" ist aber gerechtfertigt und auch hier muss mit der Wahrheit geantwortet werden.

Kurzum: Fragen, die im "berechtigten Interesse" des Vermieters liegen müssen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Fragen zum Privatleben sollte man sich als Vermieter, neudeutsch formuliert, klemmen. Nur die Ohren und Augen sollte man offenhalten, sich stets auch die Originaldokumente zeigen lassen und einfach klug bei der Wohnungsbegehung "hinterfragen", um am Ende den Mieter zu finden, den man sich wünscht.

Foto: (c) mastersenaiper/pixabay.com

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