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Magazin für Hausverwalter, Vermieter und Eigentümer

12.06.2018

Die Angst vor dem Wohnungsverlust

Zu tausenden wird in bundesdeutschen Städten protestiert - die Angst des Normalbürgers vor dem Wohnungsverlust geht um. Und ja, wir wollen uns positionieren, als Redaktion und Klarheit schaffen, dass es aus unserer Sicht so nicht weitergeht. Die Niedrigzinspolitik hat zu einem unaufhörlichen Druck auf Investitionen in Immobilien geführt und einige Firmen werben mit Eigenkapitalrenditen von 90 Prozent, wenn ein kompletter Mieterwechsel vollzogen wird. Die Wohnungsnot ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und es ist Zeit auch als Vermieter in sich zu gehen.

Angst vor Wohnungsverlust | Foto: (c) Yuri_B/pixabay.com


Als Vermieter in sich zu gehen - warum? Gleich vorab muss an dieser Stelle gesagt werden, dass der überwiegende Teil der privaten Vermieter den alten Konsens lebt und mit ein paar Prozentpunkten Rendite über 10- jährigen Bundesanleihen zufrieden ist. Man hat seine Mieterschaft, die seit Jahren pünktlich zahlt und daran, wie auch an der Höhe der Miete, wird nicht stets und ständig gerüttelt. Die Objekte werden gepflegt und der Mieter an sich fühlt sich sicher, mit seinem Dach über dem Kopf. Doch grassiert die schiere Angst unter den deutschen Mietern und wir wollen uns dazu positionieren.

Von der Angst des Normalbürgers vor dem Wohnungsverlust

Unlängst besagte eine Umfrage, dass in erster Linie der Verlust von Wohnraum die Menschen in Deutschland umtreibt. Die Gründe liegen auf der Hand. In der Spitze bewerben sich in den Metropolen Berlin, München, Hamburg, Köln und Frankfurt am Main hunderte von Menschen auf eine Wohnung. Das Schlimme daran ist, dass vor 10 Jahren wohl ein Großteil der Bewerber in Frage gekommen wären. Doch nun haben Vermieter eher die Qual, als die Wahl und müssen mit den gesenkten Köpfen der Verlierer im Mietpoker leben.

Tausende haben sich in den letzten Wochen auf den Straßen Luft gemacht und die Kritik wendet sich gegen Investmentfirmen ebenso, wie gegen die Politik. Dies wurde durch die Besetzung einiger leerstehender Häuser in Berlin unlängst deutlich. Und doch kommt auch der Normalvermieter schlecht dabei weg, zumindest gefühlt. Der Graben zwischen Mieterschaft und Vermietern wächst und in den sozialen Medien, bei Facebook & Co, trifft es selbst die Vermieter, die bei diesem Pokerspiel nicht mitmachen.

Kann man den Mieter an sich verstehen, seine Ängste nachvollziehen? Wir meinen Ja. Dabei sind es doch die großen Wohnungsunternehmen in privater Hand, die ganze Häuserblöcke verrotten lassen und dringende Sanierungen nicht durchführen. Einzig und allein vor dem Hintergrund der Gewinnmaximierung wird Artikel 14 des Grundgesetzes keine Beachtung mehr geschenkt, Eigentum als nicht verpflichtend deklassiert.

Oder all die Investmentunternehmen, die mit satten Renditen locken, Geld einsammeln und dann Mietshäuser entmieten. Daraus werden schicke Eigentumswohnungen die sich nur noch die oberen fünf Prozent der Gesellschaft leisten können.

Die Ursachen für die Angst der Mieterschaft

Dabei ist die Ursache schnell ausgemacht: die niedrigen Zinsen ermöglichen es Hinz und Kunz Eigentum zu erwerben, Geld kostet nichts mehr. Im Laufe der letzten 10 Jahre ist das Kapital in das Betongold der Ballungsräume förmlich geschwommen, natürlich getrieben durch den Mangel an Alternativen. Ergo stiegen die Preise für Immobilien so stark, dass der Verwertungsdruck auf die Eigentümer stetig wuchs und nur durch steigende Mieten ausgeglichen werden konnte und wird.

Hinzu kamen und kommen die Ab-, beziehungsweise Zuwanderungen. Vom Land in die überfüllten Städte, die noch Arbeitsplätze bieten und die Zuzüge europäischer Mitbürger, die in den strukturschwachen Regionen Rumäniens, Bulgariens und südeuropäischen Regionen keine Perspektiven mehr besitzen. Und die Flüchtlinge, die sich doch schneller integrieren, als gedacht, drängen ebenfalls auf den Wohnungsmarkt und erhöhen die Nachfrage.

Kurzum: Wen das Dach über dem Kopf wie ein Kleinwagen zum reinen Wirtschaftsgut avanciert, ist der gesellschaftliche Frust nachvollziehbar und der Frust schallt durch alle Kommunikationskanäle und trifft leider auch die Vermieter, die sich an den alten Konsens halten.

Die Zukunft des Wohnungsmarktes und der Kampf gegen die Angst

Gesetze werden für jeden gemacht und alle müssen sich an diese halten. Doch sind die Hebel der Politik, zumindest die uns bekannten, kaum hilfreich um die Wurzel allen Übels zu packen. Mietpreisbremse, auch nivelliert, Schwachsinn, trifft es doch den Großteil der Privatvermieter, die es ohnehin schwer haben nachhaltige Renditen zu erwirtschaften. Das Baukindergeld wird die Wohnungsnot und die Angst ebenfalls nicht im Ansatz bekämpfen. Und die 2 Milliarden Euro, um den Sozialwohnungsbau anzukurbeln reichen, lauf Experten, kaum aus.

Und dass die Gerichte den Immobilienunternehmen auf die Finger klopfen, die schier unmenschlich agieren, ist ausgeschlossen beim Mangel an Richtern und Amtspflegern.

Doch genau hier, bei letztgenannten, liegt der Hase zum Teil begraben. Aus unserer Sicht hat der Staat die Aufgabe sozialverträgliche Konzepte zu entwickeln, die großen Investoren verbieten, auf Kosten der Normalbürger satte Renditen einzufahren. Und wir betonen gerne nochmals: es geht um die Mittelschicht, die Mieter, die über ein Durchschnittseinkommen verfügen, dass aber mittlerweile kaum ausreicht, um bei steigenden Lebenshaltungskosten beim Preispoker am Tisch sitzen bleiben zu können.

Deshalb ein paar Fragen, die man sich stellen sollte: Warum keine Gesetze, die beim Neubau ein Mindestanteil an bezahlbaren Wohnraum vorschreiben, für Investoren, zum Beispiel. Warum keine Stärkung des Vorkaufsrechtes der Mietergemeinschaft, wenn Ausmietung zugunsten einer Immobilienfondsgesellschaft droht. Und warum weisen die Gemeinden keine weiteren Grundstücke aus um diese dann gezielt für Neubauten zur Verfügung zu stellen, die Wohnraum schaffen, und zwar moderat bezahlbaren Wohnraum. Und warum besteht der Finanzminister auf eine "schwarze Null", anstatt in den sozialen Wohnungsbau zu investieren? Und wir reden hier nicht von zwei Milliarden, sondern von einem bundespolitischen Engagement wie in den sechziger Jahren.

Ja, wir können als Redaktion die Wut und die Sorge der Bürger in unserem Land teilweise verstehen, sofern sie konstruktiv sind. Und ja, wir geben gerne hilfreiche Tipps für Vermieter und Hausverwaltungen. Wir fordern Landes- wie bundespolitische Organe und Institutionen dazu auf zu handeln, schnell zu handeln und Verantwortung zu übernehmen. Liebe Amts- und Gemeinderäte, Bundespolitiker und Bürgermeister " schaut auf dieses Land " und gebt Bauflächen für dringend benötigten Wohnraum frei und pfeift doch endlich auf die viel zu komplexen Bauvorschriften. Und liebe Vermieter: Wer investiert soll Geld verdienen, aber bitte mit Augenmaß.

Foto: (c) Yuri_B/pixabay.com

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