Login
Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie die Website weiter nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus. Ok Datenschutzerklärung

Magazin für Hausverwalter, Vermieter und Eigentümer

06.06.2018

Bestandsaufnahme beim Wohnungsneubau: es reicht einfach nicht

Mit 1,5 Millionen neuen Wohnungen will die Bundesregierung in ihrer Legislaturperiode den Wohnungsmarkt beruhigen und der steten Nachfrage nach Wohnraum, gerade in den Metropolen entgegenwirken. Doch dieses Ziel scheint nicht in Reichweite. Die Bestandsaufnahme beim Wohnungsneubau ist ernüchternd und die Gründe eigentlich klar.

Wohnungsnotstand |  Foto:(c) RitaE/pixabay.com


Seit Jahren ächzt Deutschland unter der Wohnungsnot und gerade in den Ballungsgebieten mangelt es an bezahlbarem Wohnraum, Gentrifizierung inbegriffen. Zwar gibt es Rekorde beim Wohnungsneubau, aber es reicht einfach nicht, nicht im Ansatz und schon gar nicht perspektivisch.

Bestandsaufnahme beim Wohnungsneubau ist ernüchternd

Das Ziel war klar: Die derzeitige Bundesregierung wollte und will den Wohnungsneubau ankurbeln und 1,5 Millionen Wohnungen sollen innerhalb der Legislaturperiode entstehen. Dazu wurde der Bundeshaushalt mit zwei Milliarden Euro für den Sozialen Wohnungsbau belastet und das Baukindergeld, ein Projekt aus dem Hause der CSU sollte Familien das schnelle Eigenheim begünstigen. Doch das gerade diese letztgenannte Initiative nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, war von Beginn an klar.

Die Zahlen aber klingen Rekordverdächtig, beziehungsweise sind es. Mit fast 285.ooo neuen Wohnungen, so das statistische Bundesamt, wurden 2,6 Prozent mehr gebaut, als in 2016 und damit weitaus mehr, als alljährlich seit 2002. Kurzum: seit 2011 wird gehämmert und gebaut, was die Handwerksbetriebe hergeben.

Und doch, so Politik und Experten unisono, kann dies nicht im Ansatz die hohe Nachfrage decken, denn 400.000 neue Wohnungen pro Jahr sind nicht nur Ziel, sondern Pflicht, um den Immobilienmarkt und die Preisspiralen zu beruhigen.

Zahlen des Wohnungsmarktes sind nur geschönt

Unter den Datensätzen von fast 285.000 neuen Wohnungen befinden sich vor allem Wohnheime mit 16,2 Prozent Zuwachs (inklusive Unterkünften für Flüchtlinge). Bei Mehrfamilienhäusern liegt der Zuwachs in 2017 nur bei 6,7 Prozent und bei Zweifamilienhäusern nur bei 5,1 Prozent. Der Bau von Einfamilienhäusern war eher stabil im Vergleich zu 2016 und bei Bestandsbauten (Dachausbauten etc.) ist sogar ein Rückgang von 5,5 Prozent zu verzeichnen.

Des Weiteren zeigen die Zahlen aus Wiesbaden, dass sehr viele Projekte überhaupt nicht so zügig gebaut werden können.

Politik versagt beim Wohnungsneubau

Wer gut 375.000 neue Wohnungen bauen lassen will und im ersten Jahr mit 285.000 dasteht, muss sich Kritik gefallen lassen. Viele Experten gingen in 2017 wenigstens von 300.000 Wohnungen aus und dann mit steigender Tendenz. Doch diese Entwicklung ist laut vieler Verbänden der Wohnungswirtschaft eine Enttäuschung.

Na immerhin zwei Milliarden Euro war die Investitionsvorstellung für Sozialbauten im Koalitionsvertrag. Auch zu wenig, wie Experten meinen und vor dem Hintergrund der Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl erhalten, ohnehin. Aber da helfen doch die 1.200 Euro pro Kind und Jahr über 10 Jahre, als Baukindergeld? Nein, nicht im Ansatz.

Wir meinen: Die Bundes- und Landespolitik muss sich über die geforderte Schwarze Null des Finanzministers auf höhere Investitionen verständigen, gerade bei sozialverträglichen Bauprojekten.

Die Gründe der negativen Bestandsaufnahme beim Wohnungsneubau

Klar, es braucht die aktuellen Zahlen um Klarheit zu schaffen. Doch liegt es nicht am Geld an sich, denn Investoren, wie auch kommunale Wohnungsbaugesellschaften wollen bauen, können es monetär auch. Es fehlt an Baugrundstücken, in erster Linie. Und hier halten sich die landeseigenen Grundstücksgesellschaften krampfhaft an ihren Beständen an Bauland fest.

Und noch ein Vorwurf an die Landespolitik: die Anbindungen der Infrastrukturen, wie zum Beispiel U-Bahn oder Verbindungsstraßen lagen in den letzten 10 Jahren nicht im Fokus der Städte, teils auch aus Mangel an Geld. Dies rächt sich nun, da kaum ein Investor auf dem platten Land bauen will, wie man locker sagt

Und die Bauwirtschaft? Die ist völlig überfordert und kann die dicken Auftragsbücher nicht abarbeiten, was auch am Mangel an Fachkräften liegt. Und addiert man die Teuerungsraten von Baumaterialien hinzu zeigen sich die Grenzen der Immobilienwirtschaft.

Ach ja. Da war ja noch das Thema der Baugenehmigungen. Zwar werden diese Stück für Stück und regional unterschiedlich vereinfacht und in den Metropolen wir Berlin, Hamburg oder Frankfurt a.M. geht es zukünftig etwas schneller. Aber was nützen schnelle und einfache Baugenehmigungsverfahren, wenn am Ende der Bau erst Monate später beginnen kann, weil sich keine Baufirma findet?!

Und am Ende meldet sich noch die KfW zu Wort. Spekulanten holten vielerorts Baugenehmigungen ein, auf Vorrat, setzen die Bauvorhaben aber nicht um und spekulieren auf höhere Gewinne in der Zukunft bei steigenden Grundstückspreisen, gerade in den großen Städten.

Kurzum: Die aktuelle Bestandsaufnahme beim Wohnungsneubau ist ernüchternd und die Gründe, warum politisch gewollte Ziele nicht erreicht werden, seit langem bekannt. Der Wohnungsbau muss zu einem zentralen Thema werden, bei dem Bundes- und Landespolitik, Immobilienunternehmen und Baubranche, wie auch Finanzierer an einem Tisch sitzen und durchgreifende und schnelle Weichen stellen, um die Wohnungsnot zu lindern. Wer aber glaubt, dass dies kurzfristig geschieht, ist ein Träumer und wird wohl bei den Zahlen über das Jahr 2018 ebenso enttäuscht.

Foto:(c) RitaE/pixabay.com

Für Hausverwalter
Die einfache Mitgliedschaft

ist kostenlos und jederzeit kündbar. Melden Sie sich jetzt an und lernen Sie uns und unser Netzwerk kennen, stellen Sie sich und Ihre Firma vor und erfahren Sie mehr über die Möglichkeiten von HausverwalterScout.

Kostenlos und unverbindlich - die passende Hausverwaltung finden Sie hier:
  • 1.

    Postleitzahl eingeben

  • 2.Kostenlose Anfrage stellen
  • 3.Angebote erhalten und vergleichen!